Seltene Darmerkrankungen – CED und Defekte des Verdauungstrakts

Herzlich willkommen zum ersten Teil der Serie über seltene Krankheiten des Verdauungstrakts. Kaum ein Bereich des menschlichen Körpers bietet mehr angreifbare Oberfläche für Keime, Pilze und Verletzungen als der Darm. So empfindlich, wie dieser auf vielfältigste Einflüsse reagieren kann, so breit ist auch die Menge der Symptome und der Fehldiagnosen. Folgende Liste seltener Erkrankungen des Verdauungssystems tarnen sich gerne als Beschwerden wie Reizdarm, die (Magen-)Darmgrippe oder sogar als psychisches Problem.

Das Argument, dass ein Leiden besonders im Darm auch durch die falsche Lebenseinstellung oder Stress entstehen kann, sollten Sie von einem Schulmediziner nicht akzeptieren. Natürlich kann Unwohlsein auch in Übelkeit oder Bauchweh münden, aber: das wirkt sich nur selten in echten Schmerzen oder dauerhaften Problemen mit Bauch und Stuhlgang aus.

Folgende seltene Krankheiten des Darmes werden hin und wieder von Ärzten übersehen:

  • Morbus Whipple
  • Morbus Crohn* (Fisteln)
  • Colitis ulcerosa*
  • mikroskopische Kolitis
  • Colitis cystica profunda
  • Poulchitis (bei Entfernung des Dickdarms)
  • Darmtuberkulose
  • Desmose (angeboren)
  • Morbus Hirschsprung
  • Zöliakie (Gluten-Unverträglichkeit)
  • chronischen intestinalen Pseudoobstruktion (CIPO)
  • seltener Darmkrebs

Eine besondere Rolle spielen hier die Chronischen Entzündlichen Darmerkrankungen (CED) Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, die oftmals langjährige Leidenswege durch Warte- und Sprechzimmer von Allgemeinmedizinern als „Nebenwirkung“ haben. Doch gehen wir der Reihe nach vor und beginnen mit Morbus Whipple, einer besonders exotischen Darmkrankheit.

Morbus Whipple

Morbus Whipple, auch Whipple-Krankheit oder intestinale Lipodystrophie genannt, ist eine seltene Dünndarm-Erkrankung. Sie wird von einem Bakterium verursacht und tritt vor allem bei Männern mittleren Alters auf, insbesondere wenn gleichzeitig ein Immundefekt vorliegt. Anzeichen dieser Krankheit sind Gewichtsverlust, Bauchweh, Durchfall oder ungewöhnlicher (z. B. stinkender Stuhlgang), Eisenmangel (achten Sie auf bräunliche Hautfarbe), Fieber, geschwollene Lymphknoten, Herzinsuffizienz und Vergesslichkeit (Demenz). Da die Symptome sehr unspezifisch sind, geschieht der Nachweis über eine Schleimhautprobe und Gennachweis des Erregers.

Morbus Crohn

Morbus Crohn ist weniger selten als Morbus Whipple und mitunter recht bekannt. Es handelt sich um eine chronische Entzündung des Darmes (CED). Die Schädigung ist zurückzuführen auf eine heftige Reaktion des Immunsystems (Autoimmunkrankheit). Darum stützt sich die Behandlung wesentlich auf die Unterdrückung der Entzündungs- und Immunreaktion. Begünstigend für Morbus Crohn sind übermäßige Hygiene, Rauchen und schlechte Ernährung, jedoch spielen auch psychische Ursachen eine Rolle. Wegen vieler möglicher Komplikationen (Fisteln, Abszesse, Krebs, um nur einige zu nennen) solle Morbus Crohn schnell diagnostiziert und behandelt werden.

Colitis ulcerosa

Die Colitis Ulcerosa ist die zweite „chronisch entzündliche Darmerkrankung“ (CED) neben Morbus Crohn. Einer von 30.000 Deutschen leidet hierunter, in einer Kleinstadt stehen also die Chancen gut, der Einzige Colitis Ulcerosa Patient zu sein. Selten genug? Betroffen ist die Schleimhaut des Dickdarms. Es wird eine genetische Prädisposition und damit eine Überempfindlichkeit des Immunsystems gegen bestimmte Keime als Ursache angenommen, genau wie bei Morbus Crohn. Wer unter starken Durchfällen, blutigem Stuhl oder Bauchkrämpfen leidet und noch dazu mit allgemeiner Mattheit und Schwächung des Immunsystems zu tun hat, sollte sich auf Colitis ulcerosa untersuchen lassen.

Mikroskopische Kolitis

Die mikroskopische Kolitis (auch m. Colitits) ist eine Schleimhautentzündung des Darmes mit dünnflüssigem Durchfall, über deren Ursache nicht viel bekannt ist. Nicht einmal der Schleimhaut ist die Veränderung anzusehen, erst unter dem Mikroskop. Die gängigste These geht hier von einer Autoimmunkrankheit aus, in der sich das Abwehrsystem des Körpers gegen eigene Zellen wendet und sie zerstört. Ganz auszuschließen ist allerdings auch ein Infekt nicht, mit bislang nicht identifizierten Viren oder Bakterien. Die Therapie stützt sich auf einer Kontrolle der Entzündungsreaktion (z. Beispiel mit Cortison) und einer darauf folgenden Aufbautherapie, ähnlich der Morbus Crohn Therapie.

Übersicht weiterer Darmleiden…

Colitis cystica profunda

Gutartige Züsten im Darm.

Pouchitis

Entzündung des „Pouch“ bei Patienten, deren Dickdarm entfernt wurde.

Darmtuberkulose

Ein in Deutschland sehr seltener Darminfekt.

Desmose

Angeborene oder nach anderen Erkrankungen (insb. Morbus Hirschsprung) erworbene Fehlbildung des Darms, die sich primär mit chronischer Verstopfung äußert.

Morbus Hirschsprung

Auch als kongenitales Megakolon bezeichnet. Es handelt sich um eine Fehlbildung der Nervenzellen, die zur dauerhaften Kontraktion ganzer Darmabschnitte führt. Dies führt zu chronischer Verstopfung, die in der Regel direkt nach der Geburt auffällig wird.

Zöliakie

Gluten-Unverträglichkeit, die zu einer Entzündung der Darmschleimhaut führt. Sie tritt erheblich seltener auf, als allgemein wahrgenommen: nur ein Mensch unter 500 (bis 10.000 [sic!]) ist in Deutschland (bzw. USA) betroffen. Lebensmittelproduzenten nutzen die Überbewertung dieser Krankheit zum Absatz glutenfreier Nahrung mit höheren Margen im Breitenmarkt.

Chronischen intestinalen Pseudoobstruktion (CIPO)

Intestinale Pseudoobstruktion (IPO) ist ein ein geblähter und funktional eingeschränkter Darm, dessen Bewegungslosigkeit zum Darmverschluss führt. Betroffen von dieser seltenen Darmerkrankung sind vorrangig ältere Menschen nach Darm-Operationen oder Darmkrankheiten. Liegt diese länger vor, wird sie als chronisch (CIPO) bezeichnet. Je nach Lage kann sich die Krankheit auch mit Durchfällen (Diarrhoe) zeigen.

 

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